Chassis der CRF1000L Africa Twin 2016

Voll einstellbare Showa-Federelemente sind zusammen mit dem Stahlrahmen verbaut, dessen Konstruktion mit Unterzügen auf der Vorderseite auf Stabilität und optimales Handling ausgerichtet ist. Die Radgrößen vorne und hinten betragen 21 und 18 Zoll, schwimmend gelagerte Wave-Bremsscheiben mit 310 mm Durchmesser sind mit radial montierten Nissin Vierkolbenzangen kombiniert. Enduroreifen von Dunlop in den Größen 90/90-21und 150/70-18 bieten im Alltagseinsatz überzeugende Performance.
Das Lastenheft bei der Kreation des Fahrwerks für die CRF1000L Africa Twin umfasste folgende Anforderungen: überzeugende Offroad-Tauglichkeit in Verbindung mit exzellenten Eigenschaften und makelloser Stabilität bei Straßenbetrieb, das Ganze sowohl im Solo- als auch im Soziusbetrieb sowie bei reichlicher Gepäckzuladung.
Dafür konstruierten die Honda-Entwicklungstechniker einen neuen Stahlrahmen mit zwei Unterzügen, die bis zur Vorderseite des Motors herunter reichen. Die Konstruktion ist angelehnt an jene des CRF450R Rally-Bikes, dazu ist das Triebwerk an insgesamt sechs Punkten über Halteplatten mit dem Rohrgestell verschraubt. Optimal ausbalanciert, mit hoher Stabilität und exakt berechnetem Flexverhalten trägt das Africa Twin-Rückgrat zu sicherem und mühelosem Fahrverhalten bei jeder Gangart und auf jedem Terrain bei.
Dank kompakter Bauweise von Motor und Rahmen beträgt die offroadtaugliche Bodenfreiheit stattliche 250 mm. Der Radstand misst 1575 mm, Lenkkopfwinkel und Nachlauf betragen 27,5 Grad und 113 mm. Der leichte und stabile Heckrahmen ist auf eine Gepäckzuladung von 30 Kilo ausgelegt. Das Trockengewicht der Africa Twin in der Standardversion beträgt 208 kg, fahrfertig vollgetankt mit 18,8 Litern Benzin werden daraus 228 kg, wobei die Vorderrad/Hinterradlast zu 49,1 bzw. 50,9 Prozent verteilt ist. Die Sitzhöhe beträgt 870 mm (wie übrigens auch beim Vorgänger XRV750 Africa Twin), kann jedoch mit einfachen Handgriffen um 20 mm abgesenkt werden.
Im Fahrbetrieb gefällt die neue Africa Twin durch Ausgewogenheit und gefälliges Handling. Im Vergleich zur XRV750 erlaubt der kompakte Parallel-Twin, den Abstand von der Schwingarm-Achse zum Vorderrad um 8 mm kürzer zu bemessen (jetzt 931 mm), während die Schwinge um 20 mm länger ausfällt. Zur idealen Gewichtsverteilung trägt auch die nahe zum hinteren Zylinder platzierte Batterie bei, wodurch Stabilität und Traktionsverhalten positiv beeinflusst werden, in Einklang mit angenehm mühelosen Handling. Auch der enge Wendekreis von nur 2,6 Metern erweist sich als hilfreich, im dichten Stadtverkehr ebenso wie auf engen oder verschlungenen Offroad-Passagen.
Der neue Motor der CRF1000L bietet 25 Prozent mehr Hubraum und rund 50 Prozent mehr Leistung als der Vorgänger, gleichwohl fällt das Gesamtgewicht leichter aus. Vorteilhaft wirken sich auch schlanke Dimensionen und Abmessungen um den Tank und im Sitzbereich aus, die eine angenehme Sitzposition und beste Beweglichkeit bei stehender Offroad-Fahrweise zur Folge haben und eine sichere Beherrschbarkeit im Fahrbetrieb ermöglichen.
Die 45 mm Showa Upside-Down Teleskopgabel mit Cartridge-Dämpfung und 230 mm Federweg überzeugt mit erstklassigem Fahrverhalten und hohem Federungskomfort. Die Allround-Grundabstimmung mit langen Federwegen und moderaten Dämpfungskennlinien sind perfekt breitbandig auf Allround-Ansprüche abgestimmt. Zusätzlich erlaubt die Gabel jedoch individuelle Einstellungen an Federvorspannung, Dampferzug- und Dämpferdruckstufe.
Die Gabel weist vorversetze Achsaufnahmen auf. Die obere Gabelbrücke ist aus Aluminium gefertigt, die untere aus Gussmaterial und der Lenkschaft aus hohlem Aluminiumrohr. Die Gabelbrückenklemmung wird oben wie unten über Doppelverschraubungen bewerkstelligt. Dank gewichtsoptimierender Maßnahmen (wie hohl ausgeführte Bauteile bzw. dünneren Wandstärken) wiegt die 45 mm Upside-Down-Gabel der neuen Africa Twin inklusive der Gabelbrücken insgesamt 860 Gramm weniger als die komplette 43 mm Gabel (in klassischer Rightside-Up-Bauart) der früheren XRV750 Africa Twin.
Präzise Vorderradführung und reichlich Bodenfreiheit rundet ein Hinterraddämpfer mit generösen 220 mm Federweg ab. Der obere Aufhängungspunkt ist relativ niedrig angeordnet, wiederum mit Blick auf eine das Handling begünstigende Zentralisierung der Massen. Wie bei den CRF-Motocrossern sind die Druckzylinder mit 46 mm bemessen, um auch bei hoher Belastung im Offroadbetrieb ein optimales Dämpfungsverhalten zu gewährleisten. Die Federvorspannung kann praxisgerecht über ein Handrad eingestellt werden, dazu lassen sich Zugstufen- und Druckstufen-Dämpfung separat wunschgemäß über einen breiten Bereich anpassen.
Die trapezförmige Aluminium-Gussschwinge ist auf der rechten Seite ausgespart, um Raum für die Auspuffanlage zu schaffen für eine möglichst enge Rohrführung; damit wird ausreichend Schräglagenfreiheit gewährleistet. Für die ProLink-Hebeleien am Hinterradstoßdämpfer wird hochfestes, geschmiedetes Aluminium verwendet. Die Schwinge wird über zwei hohlgebohrte 17 mm-Schrauben befestigt, jeweils rechts und links am Rahmen als auch mit der Motorgehäuse-Rückseite.
Die CRF1000L Africa Twin rollt auf den gleichen Radgrößen wie die 450er Rally-CRF: mit 21 Zoll-Vorderrad und 18 Zoll-Hinterrad. In diesen Größen werden von etlichen Herstellern offroadtaugliche Reifen angeboten, was die Auswahl bei Ersatzfragen problemlos gestaltet. Die Felgenmaulbreite vorne misst 2,15 Zoll, hinten 4,00 Zoll. Die Radachsen vorne und hinten (mit 20 mm Ø) sind hohlgebohrt, was Gewicht sparen hilft. Das Vorderrad ist herkömmlich eingespeicht. Die Speichen im Hinterrad zur linken Seite der Nabe sind tangential versetzt, während die zur rechten Nabenseite herkömmlich gerade verlaufen. Diese Anordnung dient dazu, die Steifigkeit zu verbessern.
Neu sind schlanke, zweiteilige Nissin Vierkolben-Bremssättel mit Sintermetall-Belägen, die radial mit den Gabelfüßen verschraubt sind und auf 310 mm große Wave-Bremsscheiben (die schwimmend gelagert sind) zugreifen. Die Zweischeiben-Anlage, die im wesentlichen auch in der Rally-CRF zum Einsatz kam, verzögert nicht nur vorzüglich im Gelände wie bei Asphalt-Einsatz, auch die feine Dosierbarkeit überzeugt auf ganzer Linie. Eine konstruktive Besonderheit ist, das die Bremsbeläge nicht über übliche Bremsbelagstifte über den Halteblechen fixiert werden, sondern über einen zentralen Querbügel; eine Lösung die eleganter und auch leichter ausfällt. Erwähnenswert sind weiterhin die Adapter für die Bremsscheiben, die erstmals bei einer Serien-Honda aus Aluminium gefertigt sind und ebenfalls zur Gewichtsersparnis beitragen.
Die Hinterradbremse mit einer 256 mm-Wave-Scheibe bestand in den CRF-Rallyebikes ihre Bewährungsprobe, für den Einsatz in der Serien-Africa Twin wurden Formgebung und Lochmuster weiter angepasst und optimiert. Für engagierte Offroad-Einsätze kann die ABS-Funktion der Bremse am Hinterrad sinnvollerweise abgeschaltet werden, damit das Rad bei Bedarf bewusst überbremst und blockiert werden kann.
Dunlop-Enduro-Reifen in den Dimensionen 90/90-21 und 150/70-18 sind in der Erstausrüstung auf den Speichenfelgen montiert. Die spezielle Laufflächenmischung und das grobstollige Profil bieten auf Asphalt wie im Gelände hinsichtlich Gripp und Traktion einen überzeugenden Performance-Kompromiss.